Wie können wir das zurückgewinnen, was für die Erhaltung des menschlichen und mehr-als-menschlichen Lebens wesentlich ist? Was hat dazu geführt, dass in unserer heutigen Gesellschaft das Unverzichtbare als selbstverständlich angesehen, gar nicht wahrgenommen oder unterschätzt wird? 

Als  Menschen wollen wir umsorgen und umsorgt werden, um mit anderen in Beziehung zu bleiben. Unter dem Titel The Right Distance lädt die zweite Ausgabe des Who Cares? Feminist Art Festivals Künstler*innen, Aktivist*innen und Kulturschaffende ein, über den Zwischenraum zu reflektieren, der zwischen dem*der Care-Geber*in und dem*der Care-Empfänger*in entsteht. Wenn Care-Arbeit (1) bedeutet, sich in einer Situation der Verbundenheit und Verletzlichkeit zu befinden, unter welchen Bedingungen können wir dann sagen, dass sich jemand um ein anderes Lebewesen kümmert? Und wie wird dieser Raum geschaffen, aufrechterhalten und schließlich erweitert, damit er für die Beteiligten nicht zum Nachteil wird?

Care-Arbeit wird in der Regel aus Perspektive der Care-Geber*in als etwas betrachtet, das einem anderen Lebewesen gegeben oder für dieses getan wird. Dabei wird die Rolle des*der Umsorgten nicht mit einbezogen, die ebenso die Care-Beziehung mitgestaltet.The Right Distance stärkt die Idee der Care-Arbeit als eine Beziehung zwischen zwei Parteien, die gleichermaßen für die Aufrechterhaltung der Beziehung verantwortlich sind, auch wenn ihre Rollen unterschiedlich sind. Im Gegensatz zum paternalistischen Ansatz der Pflege, der auf Projektionen und Prinzipien beruht, hängt Care-Arbeit als relationale Praxis davon ab, dass sich sowohl der*die Care-Geber*in als auch der*die Care-Empfänger*in in einem Zustand der Empfänglichkeit befindet, in dem der richtige Abstand ständig neu verhandelt wird.

Who Cares? Feminist Art Festival verbindet verschiedene künstlerische Positionen, die sich mit den Beziehungen zur Care-Arbeit aus feministischer, intersektionaler, queerer, aktivistischer, generationenübergreifender, gerechter, anti-ableistischer, ökologischer und utopischer Perspektive beschäftigen. Mehrere Workshops für verschiedene Zielgruppen geben den Besucher*innen die Möglichkeit, gemeinsam über die richtige Distanz zur Care-Arbeit nachzudenken und sich auszutauschen.

(1) Der englische Begriff „care“ umschließt ein ganzheitliches Verständnis von Care-Arbeit. In der deutschen Übersetzung kann „care“ u.a. sowohl für Pflege, Fürsorge und Sorge-Arbeit stehen. Im Kontext des Festivals soll das Wort “Arbeit” in Care-Arbeit vor allem darauf verweisen, dass das Umeinander-Kümmern als relationale Praxis zu verstehen und dass damit nicht nur Lohnarbeit gemeint ist; ein großer Teil von Care-Arbeit ist Beziehungsarbeit, die oft unsichtbar bleibt.


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Vielen Dank für die Unterstützung.


Team

Kuration und künstlerische Leitung: Valeria Schwarz
Ausstellungsarchitektur: Carla Isern
Assistenz Produktion: Lorène Blanche Goesele
Assistenz Vermittlung: Marie Benthin
Grafikdesign: Stephanie Becker
Webseite: Wies Hermans
Öffentlichkeitsarbeit: Georg Zolchow und Inés Mora
Lektorat: Svenja Gräfen
Übersetzung DE-EN: Emily Hawkins
Übersetzung EN-DE: Seraphine Peries 
Fotografie: Victoria Tomaschko
Video: Johannes Plank

Ein Projekt von iCollective e.V.
info(at)icollective-berlin.com

Who Cares? Feminist Art Festival – The Right Distance wird von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa und dem Hauptstadtkulturfonds (HKF) gefördert.