Foto: Levi Orta

AN ANNEX TO AFRODITA (2017) FOR WHO CARES? FESTIVAL

_

Das Projekt beschäftigt sich mit der Zeit, die ich mit meinem Kind verbringe und in ein Kunstprojekt verwandele, um die Produktionskosten abrechnen zu können, die mir ein Festival über Care- (Arbeit)  anbietet. Es geht um keinen großen Betrag. Trotzdem hilft er mir, die Knappheit an produktiver Zeit und somit die Engpässe von Einnahmen zu lindern, die ich als Folge der Betreuung meines Kindes während des Lockdowns erlebt habe.  

Nachdem ich mehrere Tage über das Thema Care nachgedacht habe, entscheide ich mich für einen ähnlichen Prozess, den ich für die Entstehung von dem Kunstwerk Afrodita (2017) verfolgt habe. Mittels der Methodologie, die ich “analytische Replik” nenne, verwandle ich die Zeit in Güter oder in Kapital, die ich mit meinem Kind verbringe. 

Dieses Vorgehen fasst einige der Fragen und Bedenken zusammen, worüber ich in diesen zwei Monaten nachgedacht habe: wenn wir soziale und finanzielle Anerkennung für Empathie und Liebe verlangen, folgen wir nicht derselben produktivistischen Logik, die wir eigentlich kritisieren? Steckt nicht etwas Widersinniges hinter der Forderung Zärtlichkeit, Leidenschaft und Beziehungen für einen Wert auszutauschen? Und schließlich: wenn Care Arbeit das “Gute” ist, gibt es nicht ein Risiko, dass Care Arbeit zu einem Ziel wird während die Person, für die man sorgt sich in ein bloßes Instrument verwandelt, mit dem das geschätzte Gute erreicht wird?

Foto: Patricia Escriche

ÜBER NÚRIA GÜELL

_

Meine Praxis ist weder die Darstellung von Kontemplation oder einer virtuosen Technik sondern eine Tätigkeit der Konfrontation, der Auseinandersetzung mit dem Offensichtlichen und dem Herkömmlichen. Dabei bewege ich Kunststücke und führe legale und illegale Aktionen durch, spreche Personen an -mögen diese Kompliz*innen oder keine Kompliz*innen sein- oder vollziehe ich bürokratische Prozesse? Oft zwinge ich die öffentlichen Kunstinstitutionen, die mich beauftragen, sich  in eine Richtung zu bewegen, die sie vorher nicht kannten. Dabei beabsichtige ich diese zu engagieren, anstatt sie bloße Betrachter*innen sein zu lassen. Meine Arbeiten setzen sich aus Zeichen und Verschiebungen zusammen, die der Darstellung entfliehen. Was ich schließlich in dem Ausstellungsraum zeige sind weder Darstellungen noch autonome Objekte; es sind Spuren oder Hinweise dieser/ von Verlagerungen. Die Eigenständigkeit des Kunstwerkes ist somit Ausdrucksbewegung. 

Meine Arbeiten starten meistens mit einem sozialen oder politischen Konflikt, gegenüber dem ich mich zur Auseinandersetzung verpflichtet sehe. Die Absicht dabei ist etwas festzustellen, das vorher nicht sichtbar war. In anderen Worten: einen Teil der Realität wahrzunehmen. Um das zu ermöglichen müssen auch meine Praxis sowie meine Überzeugungen in Frage gestellt werden.

Andererseits kann ich nicht leugnen, dass es auch eine starke subversive Neigung in meiner Arbeit gibt. Grund dafür ist, dass ich die künstlerische Praxis nicht als kulturelle Tätigkeit betrachte. Im Gegenteil, ich verstehe sie als soziale und politisch- notwendige Praxis, in der das Kulturelle und das Etablierte ins Spiel kommen. 

WEITERE PROJEKTE

_

04/09/2020