LINEA FUSCA

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Linea Fusca untersucht Mutterschaft als Politikum, indem sie die Beziehung zwischen Pflegearbeit und praktischem Wissen über die materielle Welt durch die Erfahrung der Reproduktion und Mutterschaft analysiert. Mütterliche Aktivität, ohne mit einem bestimmten Geschlecht assoziiert zu werden, benötigt die Mutter, um auf die materielle Realität menschlicher Verletzlichkeit zu reagieren. Was beinhaltet demnach eine Ethik, die auf der Akzeptanz beruht, dass wir unmittelbar auf die Unterstützung anderer angewiesen sind? Kann die Erfahrung mütterlichen Daseins eine Gesellschaft fördern, die auf gegenseitigem Zusammenwirken basiert?

Im Gegenzug untersucht Linea Fusca die Reproduktion als körperlichen Prozess, der auf dem Erleben des Anderen beruht. Schwangerschaft setzt ein plötzliches Eindringen des Andersartigen in den austragenden Frauenkörper voraus. Während der neun Monate, in denen sie jemand anderen in ihrem Körper trägt, erlebt die Schwangere ein intensives Doppelleben, merkt die kontinuierlichen Änderungen in und an ihrem Körper, durch den sie das Wachstum ihres zukünftigen Kindes spürt. Doch diese physische Erfahrung wird nicht nur ausschließlich während der Schwangerschaft erlebt, wegen ihrer relationalen Natur dauert sie auch nach der Geburt weiterhin an. Während eine Verbindung mit dem Kind aufgebaut wird, ändern wir unsere Wahrnehmung und Konstruktion des Selbst, untergraben dafür unsere Integrität oder Einheit. Wir, als Individuen, teilen uns auf, indem wir das Andere, das Kind, im Zentrum unseres Selbst aufnehmen. Was bedeutet es, dass wir uns nicht unabhängig, sondern durch die Beziehung zu dem Anderen konstituieren?

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Foto: Anaïs Senli

Linea Fusca: 4K Video loop, 20 min., 2020

Text: Eirik Sördal and Anaïs Senli
Ton: Stephen McEvoy
Stimme: Ania Nowak
Kamera: Mireia Guzmán
Video Edition: Anaïs Senli
Fleisch: Pilar Fonseca, Ignacio Español, Emil Sær Senli Sördal, Eirik Sördal and Anaïs Senli

ÜBER ANAÏS SENLI

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Anaïs Senli (Barcelona, 1980) ist Künstlerin und selbstständige Kuratorin. Sie studierte an der Universität für bildende Kunst in Barcelona und schloss ihr Studium an der Universität der Künste in Berlin ab. 2006 erhielt sie das Postgraduierten Diplom “Meisterschülerin” bei Professor Bernd Koberling. Senli studierte Philosophie an der Universidad Nacional a Distancia Española UNED. 2016 erhielt sie den Master Abschluss des Studiengangs “Kunst im Kontext” bei Professor Claudia Hummel.

Senli nahm teil an zahlreichen Ausstellungen in Spanien und Deutschland, in Räumlichkeiten wie der Galerie im Turm (DE), Hangar (ES), Kunstraum Kreuzberg/Bethanien (DE), Kunsthaus Erfurt (DE), Haus am Lützowplatz/Studiogalerie (DE), Gallery Wedding (DE), GlogauAir (DE). In Barcelona wird sie seit 2005 von Sala Parés vertreten. Senli erhielt Auszeichnungen mit dem ersten Preis von XLVI Premio a la pintura joven, einem Wettbewerb für junge Maleri*innen der Galerie Sala Parés, Barcelona; einen Zuschuss der Dorothea Konwiarz Stiftung, Berlin und eine Finanzierung der Präsentation kontemporärer Künste sowie einen Recherche Zuschuss des Berliner Senats. Außerdem nahm sie am Galery Weekend (DE), der International Contemporary Art Fair SWAB (ES) und der Fair Arts Libris (ES) teil. Ihre Arbeiten sind Teil der Sammlung Fundació Banc de Sabadell. Ihren Hintergrund der Malerei weitete sie während der letzten Jahre auf Video- und Installationskunst aus und engagierte sich in kuratorischen Projekten. Die Themen, die sie in ihrer mannigfaltigen Praxis untersucht, finden ihre Wurzeln in feministischer Theorie, ökologischem Denken und Wissenschaftsphilosophie.

WEITERE PROJEKTE

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04/09/2020