WHO CARES? FEMINIST ART FESTIVAL

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Who Cares? schafft einen aktiven Reflexionsraum über Fürsorge als grundlegende Bedingung zum Aufrechterhalten von menschlichem und nicht-menschlichem Leben. Während unseres Lebensverlaufes begegnet uns Fürsorge in verschiedensten Formen. Zu Beginn unseres Lebens, wenn wir krank sind oder im Alter, sind wir auf sie angewiesen. Die meisten von uns kümmern sich, spüren Fürsorge oder werden gepflegt. Anzuerkennen, dass keine einzige Person ohne die Fürsorge anderer überleben kann, bedeutet auch unsere eigene Verletzlichkeit und gegenseitige Verflechtung zuzugeben.

In jeder Aktion, die darauf ausgerichtet ist, unsere Welt zu erhalten und sie wiederherzustellen, damit wir bestmöglich in ihr Leben können, wohnt Zuwendung inne. Sie bedeutet, sich nicht nur um den eigenen Körper und Geist zu kümmern, sondern eben auch um unsere Umgebung. Ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht; alles menschliche und nicht-menschliche Leben ist in einem versorgenden Geflecht des Daseins miteinander verwachsen, in dem Fürsorge das Fortbestehen des Lebens trägt. Doch da nicht jedem Geben ein gleichwertiges Nehmen folgt, ist Fürsorge selten
wechselseitig. Daher stellt sie das gewohnte Verständnis für Gerechtigkeit in Frage.

Durch Fürsorge werden bedeutsame Bindungen eingegangen. Trotzdem ist es problematisch, davon auszugehen, dass Fürsorge unmittelbar mit Liebe oder einer freundlichen Zuneigung verbunden sei. Fürsorge ist nicht neutral; sie bringt Arbeit mit sich und meistens auch Machtverhältnisse. Die Arbeit, die benötigt wird, um ineinander greifende Welten zu erhalten, begründet allzu oft auf Ausbeutung. Tatsächlich ist Fürsorge die wichtigste Bedingung für den Bestand des Kapitalismus; kann die Marktwirtschaft nur deswegen stetig weiter wachsen, weil Andere oder die Natur reproduzierende Tätigkeiten umsonst oder unter prekären Verhältnissen übernehmen. Sich um etwas zu kümmern bedeutet gegenwärtig, andere Beziehungen zu vernachlässigen, sie auszuschweigen oder sie sogar ganz zu löschen. Deswegen ist es entscheidend, zu hinterfragen, was auf Kosten von wem aufrecht gehalten wird.

Who Cares? lädt Künstler*innen, Architekt*innen und Aktivist*innen ein, über Fürsorge in Bezug auf Arbeit, Privatsphäre bzw. Intimität, Natur und Nachbarschaft nachzudenken. Die diversen Beiträge verzichten auf einen spezifischen Fokus, indem sie verschiedene Ausmaße der Fürsorge untersuchen und ungelöste Spannungen aufzeigen. Das Festival zelebriert die Fülle des Fürsorgeparadigma mitsamt seines ambivalenten Charakters. Fürsorge bringt das Potenzial mit sich, mehr Engagement und Solidarität in die Beziehungen fließen zu lassen, die wir gründen. Who Cares? will ein Bewusstsein für die Auswirkungen der Fürsorge schaffen und uns zu neuen Interaktionsweisen mit menschlichen und nicht-menschlichen Wesen inspirieren.

TEAM

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Kuratorin: Valeria Schwarz
Kuratorische Beratung: Studio IN Carla Isern
Raumgestaltung: Studio IN Carla Isern
Assistentinnen: Katja Volkenant und Lorène Blanche Goesele
Grafik: Farina Krause mit Studio IN
Webseite: Betiana Bellofatto
Lektorat: Emily Hawkins und Joachim Peerenboom
Dokumentation: Carman Ho (Video), Patricia Escriche (Foto)

EIN PROJEKT VON

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GEFÖRDERT VON

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PARTNERS

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